Honda plant neuen Pick-up – die Technik soll von Mitsubishi kommen
Honda bereitet den Einstieg in den Markt für Pick-ups mit Leiterrahmen vor. Statt ein eigenes Modell zu entwickeln, will das Unternehmen den Mitsubishi Triton nutzen, der in Europa als L200 bekannt ist. Der neue Honda könnte 2028 auf den Markt kommen; wichtigster Zielmarkt wäre Südostasien.
Honda überlässt Mitsubishi die Entwicklung
Nach Angaben der japanischen Zeitung Yomiuri Shimbun verhandelt Honda mit Mitsubishi über das Recht, den Triton unter eigener Marke zu verkaufen. Mitsubishi würde die Fahrzeuge in seinem Werk in Thailand bauen, Honda sie über seine Händler vertreiben. Eine Vereinbarung hat bislang keines der beiden Unternehmen offiziell bestätigt.
Eine solche Vereinbarung würde Honda den Einstieg in ein hart umkämpftes Segment ermöglichen, ohne selbst eine kostspielige Plattform entwickeln zu müssen. Mitsubishi wiederum könnte die Produktionszahlen in seinem thailändischen Werk steigern und die Entwicklungskosten auf mehr Fahrzeuge verteilen.
Die neue Generation des Nissan Navara nutzt bereits dieselbe technische Basis. Mitsubishis Leiterrahmenarchitektur könnte damit zur gemeinsamen Grundlage für drei japanische Automarken werden.
Ein Diesel mit 150 kW könnte unter der Haube stecken
Die aktuelle Motorenpalette des Mitsubishi Triton umfasst einen 2,4-Liter-Turbodiesel, der je nach Version rund 110 bis 150 kW leistet. In der stärksten Variante mit zwei Turboladern erreicht das Drehmoment 470 Nm.
Mitsubishi bietet Sechsgang-Schalt- und Automatikgetriebe sowie Heck- oder Allradantrieb an. In teureren Versionen kommt das System Super Select 4WD-II zum Einsatz, das verschiedene Fahrmodi zur Wahl stellt und über eine Geländeuntersetzung verfügt.
Der Triton steht auf einem Leiterrahmen, dessen Torsionssteifigkeit gegenüber der Vorgängergeneration um 60 Prozent gestiegen ist. Vorn hat er eine Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern, hinten eine Starrachse mit Blattfedern.
Damit hätte Honda die Möglichkeit, gegen den Toyota Hilux, den Ford Ranger und den Isuzu D-Max anzutreten. Welche Motoren und Antriebsvarianten Honda letztlich wählen wird, ist noch nicht bekannt. Auch ein Hybridantrieb gilt als möglich.
Honda hat schon früher Pick-ups anderer Hersteller verkauft
In Nordamerika verkauft Honda derzeit den Ridgeline. Seine selbsttragende Karosserie und Einzelradaufhängung unterscheiden ihn von herkömmlichen Pick-ups. Der Ridgeline ist vor allem auf Fahrkomfort und Alltagstauglichkeit ausgelegt, während sich der Triton dank seiner Leiterrahmenbauweise besser für schwere Arbeiten und anspruchsvolle Geländefahrten eignet.
Auch der Verkauf eines Pick-ups eines anderen Herstellers unter eigenem Namen ist für Honda nicht neu. In den 1990er-Jahren bot das Unternehmen in Thailand den auf einem Isuzu basierenden Tourmaster an.
Beim neuen Modell ist noch offen, ob Honda nur die Embleme und die Gestaltung der Frontpartie ändert oder auch den Innenraum umfassender überarbeitet.
Ein Marktstart in Europa ist ungewiss
Honda zielt zunächst auf Südostasien, wo Pick-ups mit Leiterrahmen einen erheblichen Anteil am Fahrzeugmarkt haben. Mögliche Exporte in andere Regionen werden noch geprüft.
In Europa würden Abgasvorschriften, Homologationskosten und die vergleichsweise geringe Nachfrage die Markteinführung erschweren. Die Technik des Mitsubishi L200 böte Honda eine gute Ausgangsbasis. Eine Version zu entwickeln, deren Preis für den europäischen Markt angemessen ist, würde jedoch zusätzliche Investitionen erfordern.
Hondas Entscheidung spiegelt auch den veränderten Umgang japanischer Autohersteller mit Kooperationen wider. Wenn Mitsubishi eine fertige, konkurrenzfähige Technik anbieten kann, hat Honda wenig Anlass, Milliarden in die Entwicklung eines eigenen Pick-ups mit Leiterrahmen zu investieren.