Hyundai entwickelt KI für Geländefahrten und das Ziehen schwerer Anhänger
Hyundai entwickelt KI-basierte Fahrerassistenzsysteme, die Reifenhaftung, Fahrzeugbeladung und Geländeschwierigkeit einschätzen können. Die neue Technik soll das Fahrzeugverhalten an wechselnde Bedingungen anpassen und helfen, eine Überlastung von Antriebsstrang und Fahrwerk zu vermeiden. Hyundai konzentriert sich zunächst auf den nordamerikanischen Markt, wo Geländetauglichkeit und das Ziehen schwerer Anhänger wichtige Verkaufsargumente sind.
Das Auto soll die Reifenhaftung selbst einschätzen
Eine Stellenausschreibung des amerikanischen Technikzentrums von Hyundai zeigt, dass das Unternehmen einen Ingenieur für KI-basierte Steuerungssysteme sucht. Er soll Lösungen auf Basis maschinellen Lernens für die nächste Generation von Fahrzeugen der Marken Hyundai, Kia und Genesis entwickeln.
Besonders interessant ist die Möglichkeit, den Reibwert zwischen Reifen und Fahrbahn ohne zusätzliche, eigens dafür vorgesehene Sensoren zu schätzen.
Die Software könnte Daten vorhandener Sensoren auswerten und damit die Traktions- und Stabilitätsregelung anpassen. Auf losem Schotter, im Schlamm oder an einer steilen Steigung könnte die Elektronik beispielsweise präziser als bisher auf durchdrehende Räder reagieren.
Hyundai bezeichnet einen Entwicklungsbereich als Anpassung an das Gelände. Ziel ist es nicht, den Fahrer zu ersetzen, sondern die Regelsysteme des Fahrzeugs besser auf die jeweilige Situation reagieren zu lassen.
Anhängergewicht ohne zusätzliche Ausrüstung schätzen
Ein weiterer wichtiger Entwicklungsbereich betrifft das Ziehen schwerer Anhänger.
Hyundai will, dass das Fahrzeug anhand der Daten vorhandener Sensoren das Gewicht seiner Ladung und des Anhängers schätzen kann. Die Elektronik könnte diese Informationen nutzen, um die Steuerung von Motor, Getriebe und Bremsanlage anzupassen.
Noch ambitionierter ist die Möglichkeit, Ausfälle von Bauteilen vorherzusagen, bevor sie eintreten. Algorithmen des maschinellen Lernens könnten Veränderungen erkennen, die auf eine Überlastung hindeuten, und den Fahrer beispielsweise vor einer übermäßigen Beanspruchung des Antriebsstrangs warnen.
Eine solche Lösung wäre besonders auf Bergstraßen und beim Ziehen schwerer Anhänger nützlich, wo die thermische Belastung von Getriebe und Bremsen rasch steigen kann.
Der Tucson zeigt, wohin Hyundai will
Hyundai hat einige ähnliche Ansätze bereits in Serienfahrzeuge gebracht.
Die geländeorientierte Variante XRT PRO der neuen Tucson-Generation nutzt das System Smart Terrain Assist, das die Bodenhaftung und das Risiko des Steckenbleibens in Echtzeit einschätzt.
Auf dem Display sieht der Fahrer eine dreifarbige Einschätzung der Geländeschwierigkeit. Das Fahrzeug kann zudem eine gewählte Geschwindigkeit zwischen 2 und 25 km/h im Gelände halten und dabei Beschleunigung und Bremsen automatisch steuern.
Der XRT PRO bietet bis zu 210 mm Bodenfreiheit, 30 mm mehr als der Standard-Tucson.
Die neue KI-Entwicklung könnte die Fähigkeiten solcher Systeme erweitern. Hyundai hat jedoch weder bestätigt, welche Modelle die erweiterte Technik erhalten werden, noch wann das geschehen soll.
Software ist der nächste Schritt bei der Geländetauglichkeit
Hyundai verfolgt zunehmend einen Ansatz, bei dem die Geländetauglichkeit eines Fahrzeugs nicht nur von Fahrwerk, Allradantrieb und Reifen abhängt, sondern immer stärker auch von der Steuerungssoftware.
Toyota, Land Rover und Ford bieten bereits ähnliche Assistenzsysteme für Geländefahrten an. Ein möglicher Vorteil für Hyundai läge darin, solche Systeme mithilfe maschinellen Lernens weiterzuentwickeln, sodass sie sich an unterschiedliche Beladungen und Fahrbahnoberflächen anpassen können.
In Europa könnte die Technik besonders für SUV-Besitzer interessant sein, die Anhänger ziehen. Allerdings ist nicht bestätigt, wann die neuen Funktionen nach Europa kommen oder welche Modelle sie erhalten werden.
KI ersetzt weder mechanische Differenzialsperren noch geeignete Geländereifen oder ausreichende Bodenfreiheit. Sie könnte jedoch helfen, die vorhandene Technik effektiver zu nutzen. Darin liegt der eigentliche Wert von Hyundais Entwicklungsarbeit.