1/40 Tesla Roadster hebt ab und beschleunigt in 0,9 Sekunden auf 100 km/h
Tesla hat den Roadster der zweiten Generation endlich vorgestellt. Ein Prototyp hob mithilfe von Druckluftdüsen ab, die mit Unterstützung von SpaceX entwickelt wurden, drehte sich in der Luft und landete kontrolliert. Noch außergewöhnlicher war der Beschleunigungstest: Das Auto erreichte in etwa 0,8 Sekunden 97 km/h. Elon Musk verspricht den Beginn der Serienproduktion für 2028. Nach neun Jahren Wartezeit ist bei diesem Versprechen allerdings Vorsicht angebracht.
Ein Elektroauto, dem Reifen allein nicht mehr genügen
Tesla stellte den Roadster auf einem Testgelände von SpaceX in Texas vor. Der Autohersteller demonstrierte mehrere Manöver, die herkömmliche Sportwagen aus physikalischen Gründen nicht ausführen können.
Zunächst fuhr der Roadster kopfüber an einer gebogenen Rampe entlang. Möglich machte das ein Lüftersystem am Unterboden, das genug Unterdruck erzeugte, um das Auto an der Fahrbahnoberfläche zu halten. Anschließend hob der Prototyp mithilfe von Druckluftdüsen ab, drehte sich in der Luft und landete kontrolliert. Bei einer weiteren Vorführung sprang das Auto über andere Tesla-Fahrzeuge.
Laut Reuters nutzt das System eine von SpaceX-Ingenieuren entwickelte Drucklufttechnik. Hochdrucktanks versorgen Düsen, deren Schub das Auto beschleunigen und für kurze Zeit durch die Luft bewegen kann.
Das macht den Roadster allerdings nicht zu einem fliegenden Auto im herkömmlichen Sinn. Es handelt sich um Flugmanöver von begrenzter Dauer, nicht um ein Fahrzeug, das von A nach B fliegen kann.
Eine Beschleunigung, die Supersportwagen langsam erscheinen lässt
Tesla demonstrierte auch die Beschleunigung des Roadster aus dem Stand. Beim ersten Versuch erreichte das Auto 60 mph, also etwa 97 km/h, in einer Sekunde. Beim zweiten Versuch wurde eine Zeit von rund 0,8 Sekunden gemessen.
Eine wichtige Einschränkung: Tesla demonstrierte die Beschleunigung von 0 auf 97 km/h, nicht von 0 auf 100 km/h. Zudem wurde das Ergebnis nicht von einer unabhängigen Prüforganisation bestätigt.
Zum Vergleich: Der Rimac Nevera R benötigt für den Sprint auf 100 km/h etwa 1,7 Sekunden. Teslas Vorsprung beruht auf dem zusätzlichen Schub der Druckluftdüsen und nicht allein auf der Haftung der Reifen.
Der Hersteller verspricht für den Roadster eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 370 km/h und eine Reichweite von mehr als 480 Kilometern.
Die versprochene Reichweite fällt inzwischen allerdings deutlich bescheidener aus. 2017 sprach Tesla von fast 1.000 Kilometern; der jetzt versprochene Wert liegt ungefähr bei der Hälfte.
Drei Versionen, eine davon für Flugmanöver ausgelegt
Tesla plant drei Versionen des Roadster. Bei Performance stehen die herkömmlichen Fahrleistungen eines Elektroautos im Vordergrund, Thrust nutzt Druckluftdüsen zur Verbesserung der Beschleunigung, und Rocket erhält das vollständige System für Flugmanöver.
Letztere unterscheidet sich auch bei der Zahl der Sitzplätze von den anderen: Rocket ist ein Einsitzer und wird Kunden nur auf Einladung angeboten.
Für eine Reservierung des Performance ist eine Anzahlung von 50.000 US-Dollar erforderlich, beim Thrust sind es 250.000 US-Dollar. Das sind nicht die Verkaufspreise der Autos. Eine neue Preisliste hat Tesla noch nicht veröffentlicht.
Im Innenraum des Roadster befinden sich ein Lenkrad, das an ein Flugzeugsteuerhorn erinnert, und ein großes, horizontal angeordnetes Zentraldisplay. Nach oben öffnende Türen und ein aktiver Heckflügel ergänzen das Außendesign.
Ob er auf europäische Straßen kommt, ist eine ganz andere Frage
Die technische Vorführung des Roadster war zweifellos beeindruckend. Vor der Serienproduktion müssen allerdings mehrere komplexe Fragen geklärt werden.
Die europäischen Vorschriften für die Typgenehmigung sehen derzeit keine Pkw vor, die mithilfe von Druckluftdüsen abheben können. Die Verkehrssicherheit, Luftströmungen mit Auswirkungen auf andere Verkehrsteilnehmer und die Beherrschbarkeit von Notmanövern könnten Probleme bereiten. Elon Musk räumte bei der Vorstellung ein, dass möglicherweise nicht alle Funktionen des Roadster in jedem Land auf öffentlichen Straßen erlaubt sein werden.
Tesla muss außerdem die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit des Druckluftsystems nachweisen. Eine einmalige Vorführung unter kontrollierten Bedingungen unterscheidet sich erheblich vom täglichen Einsatz.
Tesla verspricht, die Produktion 2028 aufzunehmen. Ursprünglich sollte der Roadster der zweiten Generation 2020 an Kunden ausgeliefert werden. Es gibt also Grund, den neuen Termin mit Vorsicht zu betrachten.
Mit dem Roadster demonstriert Tesla technische Stärke und setzt etwas um, das Wettbewerber für Serienautos bislang nicht einmal ernsthaft in Betracht gezogen haben. Doch wenn ein Auto für seine außergewöhnliche Beschleunigung Raketentechnik benötigt und seine spektakulärsten Funktionen auf öffentlichen Straßen möglicherweise nicht erlaubt sind, stellt sich eine naheliegende Frage: Ist das der Sportwagen der Zukunft oder ein außergewöhnlich teures Spielzeug für Ingenieure?